Mitbestimmung: Deutschland nur auf Platz 7 in Europa
Wissenschaftler des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (ETUI) in Brüssel sind der Frage nachgegangen, welches Land in Europa ein vergleichsweise hohes oder niedriges Niveau von Mitbestimmung hat. Länder mit starker Mitbestimmung finden sich vorwiegend im Norden und im Zentrum der EU. Deutschland erreicht nur den siebten Platz.
Hauptgründe für die relativ schlechte Platzierung Deutschlands sind die sinkende Tarifbindung und Mitgliederzahlen der Gewerkschaften, stellt der "European Participation Index" (EPI) fest.
Schweden Spitze, Litauen Schlusslicht
Die Klassifizierung erfolgte anhand eines Punktesystems. Den europäischen Spitzenwert belegt Schweden.
Zu den Ländern mit schwacher Mitbestimmung gehören viele Mittelmeerländer, der angelsächsische Kulturkreis und praktisch ganz Osteuropa. Am Ende der Skala rangiert Litauen. Jede dieser beiden Ländergruppen repräsentiert etwa die Hälfte des wirtschaftlichen Gewichts der EU. Der Index liefert indirekt auch einen Hinweis darauf, in welchen Ländern tendenziell mit einer stärkeren oder eher schwachen Unterstützung für die Arbeit eines Europäischen Betriebsrates zu rechnen ist.
Alarmierend schlechte Werte für Großbritannien
Das geringste Niveau von Mitbestimmung in Westeuropa verzeichnet das Vereinigte Königreich, nur in Bulgarien und den drei baltischen Staaten ist die Beteiligung der Arbeitnehmer heute schwächer ausgeprägt als im Mutterland des Manchester-Kapitalismus. Britische Arbeitnehmer sind in weit stärkerem Maße der Willkür von Managern ausgesetzt als es für die EU typisch und akzeptabel ist. Da sich viele Länder in Mittel- und Osteuropa allmählich dem EU-Durchschnitt annähern, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Großbritannien den letzten Platz in ganz Europa belegen wird.




